Die EU setzt sich beim Klimaschutz ein weiteres ambitioniertes Zwischenziel: Bis 2040 sollen die klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen in Europa um mindestens 90 Prozent gesenkt werden. Wie realistisch ist der Vorschlag der EU-Kommission und was bedeutet das EU-Ziel für die Schweiz?
(mehr …)Kategorie: EU | Politik
Politisches analysiert
-

Ungarn unter steigendem Druck vor dem Ukraine Sondergipfel
In Brüssel bereiten die EU-Minister den EU-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs vor. Diese kommen am Donnerstag zusammen, weil Ungarn -als einziges Land seit Monaten 50 Milliarden Euro Hilfsgelder für die Ukraine blockiert.
Noch sieht es nicht nach einem möglichen Kompromiss aus. Mit jedem Tag steigt der Druck auf die ungarische Regierung. Fast jedes Mittel scheint recht, Ungarn zum Einlenken zu drängen.
Im Rat der Mitgliedsstaaten zirkuliert ein Bericht, der die Schwächen der ungarischen Wirtschaft auflistet. Das könnten sich die Staats- und Regierungschefs zu Nutzen machen, um Druck auf Ungarn auszuüben. Stelle Ungarn nämlich weiter auf Stur am kommenden EU-Gipfel, könnten doch einige EU-Regierungen öffentlich Investoren davon abraten, in Ungarn zu investieren, soll da stehen.
Eine hohe EU-Beamtin bestreitet nicht, dass dieser Bericht vorliegt, will diesen aber nicht als Drohung gegen Ungarn verstanden wissen. Fragt sich, was es denn sonst sein könnte.
Der Bericht zeigt, wie gereizt die Stimmung ist.
Seit Wochen drängen 26 EU-Länder Ungarn zum Einlenken. Ohne Erfolg.Nur scheinbar macht Ungarn Kompromiss-Vorschläge. Orbans Regierung würde dem mehrjährigen Kredit-Rahmen für die Ukraine zustimmen, falls jedes Jahr neu geprüft würde, ob die Ukraine alle Bedingungen für eine Auszahlung erfüllt.
Logisch will niemand darauf eingehen. Zu durchsichtig ist die Absicht: Ungarn könnte jedes Jahr neu seine Veto-Macht ausspielen.Es gibt Pläne, den Ukraine-Fonds ausserhalb des EU-Budgets zu schaffen – ohne Ungarn. Das wäre allerdings im Sinne Viktor Orbans. Diesen Sieg will ihm darum niemand gönnen. Und: eine solche Lösung würde die Spaltung der EU offenbaren. Sie würde zudem die Zustimmung von einigen nationalen Parlamenten erfordern. Verzögerungen drohen. Die Ukraine könnte in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Schlechte Option, also.
Auffallend ist, wie nun immer mehr EU-Staaten betonen, dass ihre Geduld ausgereizt sei von Ungarn.
Immer mehr EU-Staaten wünschen sich mehr oder weniger laut eine Abstimmung im Rat über die Frage, ob Ungarn gegen Grundwerte der EU verstösst.
Ungarn verletzt gemäss mehreren Gerichtsurteilen EU-Grundrechte – etwa bei der Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren, von Asylsuchenden oder wegen fehlender Garantien für die Unabhängigkeit von Hochschulen oder der Justiz.Der Rat der EU-Länder schob bisher aber die politische Entscheidung darüber hinaus, Ungarn zu sanktionieren, Ungarn das Stimmrecht in der EU zu entziehen oder einzuschränken. Diese Option wird nun aber ernsthaft erwogen.
Ungarns Premier pokert hoch.
Bisher bestand in der EU Konsens, politische Differenzen – mögen sie noch so gross sein – mit Kompromissen zu lösen.
Die Frage der finanziellen Unterstützung der Ukraine könnte aber erstmals eine Abkehr von dieser Praxis markieren.Es steigt nicht allein der Druck auf Ungarn vor dem EU-Sonder-Gipfel, sondern auch auf alle andere EU-Staaten.
Endlich müssen sich die 26 Befürworter der Ukraine-Hilfsgelder nämlich dazu bekennen, welche Prioritäten sie setzen: Soll die EU ein glaubwürdiger Partner der Ukraine sein, oder
akzeptiert die EU in dieser Frage eine Veto-Macht Ungarn in den eigenen Reihen. -

Klimaschutz beginnt an der Haustüre: EU einigt sich auf Gebäude-Sanierungsprogramm
Gemäss EU-Kommission sind Gebäude in der EU für 40 Prozent des Energieverbrauchs und für 36 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Also muss in der EU das Haus saniert werden.
Das EU-Parlament und die EU-Mitgliedsstaaten haben sich im Grundsatz auf ein EU-Gebäude-Sanierungs-Programm geeinigt. Beide Gesetzgeber müssen das in einer finalen Abstimmung nun noch absegnen.
Das wurde beschlossen:
- Alle neu gebauten Gebäude müssen ab 2030 emissionsfrei sein; Gebäude, die von der staatlichen Verwaltung genutzt werden oder der öffentlichen Hand gehören, müssen ab 2028 100 % klimafreundlich sein. Ausgenommen sind Gebäude unter Denkmalschutz und – wieder einmal – Landwirtschaftsgebäude.
- Jedes EU-Land muss dafür sorgen, dass Wohngebäude bis 2030 ihren Primärenergie-Verbrauch um mindestens 16 Prozent reduzieren und bis 2035 um mindestens zwischen 20 und 22 Prozent.
- Die Mitgliedstaaten müssen bis 2030 die 16 Prozent der Nichtwohngebäude mit der schlechtesten Gesamtenergieeffizienz und bis 2033 die schlechtesten 26 Prozent durch Mindestanforderungen an die Gesamtenergieeffizienz sanieren.
- EU-Mitgliedstaaten müssen ab 2025 die Subventionierung eigenständiger Heizkessel für fossile Brennstoffe einstellen.
- Heizkessel mit fossilen Brennstoffen sind ab 2040 verboten.
Weitere Informationen hier (von EU-Parlament).
Die EU-Einigung auf neue Vorgaben für die Energieeffizienz von Gebäuden stösst bei Umweltschützern auf Kritik.
Verbände von Eigentümern, der Wohnungswirtschaft und des Handwerks äusserten sich hingegen weitgehend positiv, auch weil nach ihrem Verständnis eine umfassende Sanierungspflicht für besonders schlecht gedämmte Wohngebäude vom Tisch ist.
-

Die Schweiz will bald auch einmal 50 Staats- und Regierungschefinnen in die Alpenrepublik einladen
Bundespräsident Berset nimmt in #Granada am nunmehr 3. Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft teil. Es ist immerhin das einzige (!) europäische Gipfeltreffen, an dem die Schweiz regelmässig eingeladen ist.
Im Entwurf der Aussenpolitischen Strategie 2024−2027 schriebt der Bundesrat:
Als lösungsorientiertes, eigenständiges und mit seinen
Aussenpolitische Strategie 2024–2027, Entwurf des Bundesrates vom 29. September 2023, S. 17
Partnern eng verbundenes Land bringt sich die Schweiz
konstruktiv im Rahmen von europäischen Institutionen und
Initiativen ein. Mit der Bereitschaft zur Ausrichtung eines
Gipfeltreffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft
während dieser Legislatur stärkt sie ihre Position als
zuverlässige Partnerin in Europa und als Ort für Gespräche.Die Aussenpolitische Strategie der Schweiz:
Offenbar haben die bisherigen Bundespräsidenten Cassis und Berset Gefallen gefunden an diesem speziellen Format der “Vereinten Nationen Europa”.
Geschätzt wird offenbar vor allem die Möglichkeit des informellen Austausches auf höchster politischer Ebene.
Hinweis:
In Granada versammeln sich heute die Mächtigen aus fast 50 europäischen Staaten zum Gipfel. Auch Bundespräsident Alain Berset nimmt am Treffen der «Europäischen Politischen Gemeinschaft» teil. Mit welchem Ziel? EU-Korrespondent Charles Liebherr ist Gast im «Tagesgespräch».
-
Schweiz-EU: Das lange Spiel mit der Zeit (und Geduld..)
Wieder einmal besucht ein Schweizer Staatssekretär die EU-Kommission in Brüssel.
https://x.com/SwissmissionEU/status/1704863573208355020?s=20
Wieder einmal hat ein Staatssekretär die Aufgabe, den komplizierten Beziehungen zwischen der EU und der Schweiz neuen Perspektiven zu eröffnen.
Und wieder einmal kann ein Schweizer Staatssekretär aus dem Aussendepartement in der EU-Zentrale in Brüssel nichts anderes tun, als auf Zeit zu spielen – mit Verweis auf die Schweizer Innenpolitik, die im EU-Dossier keinen Konsens finden kann.
Die Vertreterinnen der EU geben sich vordergründig verständnisvoll. EU-intern ist der Ton gegenüber der Schweiz etwas weniger freundlich.
-

Viel (berechtigtes) Selbstlob der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen vor dem EU-Parlament
Als Ursula von der Leyen EU-Kommissionspräsidentin wurde, hatte sie wohl nicht geahnt, dass sie zur Krisenmanagerin werden würde.
Zuerst stellte die Corona-Pandemie die Europäische Union vor eine Zerreissprobe, nun ist es der Ukraine-Krieg, welcher das Bündnis fordert. Ganz abgesehen von den Herausforderungen wegen des Klimawandels.
Und dann gibt es ja noch eine ganze Reihe anderer Baustellen. Am 13. September hielt Ursula von der Leyen ihre jährliche Rede zur Lage der EU. Diese war von besonderer Bedeutung: Es war ihre Letzte vor der Europawahl im kommenden Jahr.
Zeit also Bilanz zu ziehen über das, was die EU in den letzten Jahren erreicht hat.
