Kategorie: EU | Wirtschaft

Ökonomisch analysiert

  • Urteil: Verbot von Rechtsberatung für russische Unternehmen ist rechtskonform

    Urteil: Verbot von Rechtsberatung für russische Unternehmen ist rechtskonform

    Unlängst beschloss der Schweizer Ständerat, die Schweiz solle gewisse Russland-Sanktionen wieder aufheben. Es geht um die Rechtsberatung für die russische Regierung oder Unternehmen, die ihren Sitz in Russland haben. Rechtsberatung sei ein Grundrecht. Es sei ein Gebot des Rechtsstaates, dass sich jede angeklagte Person von einem Anwalt beraten lassen könne.

    Das EU-Gericht der EU kommt aber in der gleichen Frage zu einem anderen Schluss.

    Ein belgischer und ein französischer Anwaltsverband erhoben Klage gegen die EU – gegen das Verbot der Rechtsberatung von russischen Staatsangehörigen oder russischen Firmen im Zusammenhang mit den Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine.

    Die obersten Richter der EU weisen die Klagen ab.

    Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union anerkenne das Recht auf einen effektiven gerichtlichen Rechtsschutz. Dieses Recht wird nach Ansicht des Gerichts nicht in Frage gestellt.

    Das in den Russland-Sanktionen auferlegte Verbot erfasse nämlich nicht Rechtsberatungsdienstleistungen, im Zusammenhang mit einem Gerichts-, Verwaltungs- oder Schiedsverfahren. Verboten sei nur Rechtsberatung, die keinen Bezug zu einem Gerichtsverfahren hat. Und: Es wendet sich nur gegen die russische Regierung und in Russland niedergelassener Organisationen – nicht Privatpersonen.

    Darum stellten die Sanktionen keinen Eingriff in den Schutz des anwaltlichen Berufsgeheimnisses dar. Weiter: Nach Auffassung des Gerichts verfolgt das fragliche Verbot für Rechtsberatung, dem “Gemeinwohl dienende Ziele, ohne die grundlegende Aufgabe der Anwälte in einer demokratischen Gesellschaft anzutasten”.

    Dieses Urteil entkräftet zentrale Argumente, wie sie letzte Woche im Ständerat vorgebracht wurden. Das Geschäft muss demnächst vom Nationalrat beraten werden. Das Urteil des obersten Gerichts der EU ist keinesfalls bindend für die Schweiz.

    Die Befürworter einer strikten Umsetzung der Russland-Sanktionen finden im Urteil des EU-Gerichts aber einen ganzen Katalog von wichtigen Argumente, dem Ständerat zu wiedersprechen.

  • Nein, Brüssel darf nicht alles entscheiden, sagt das Oberste Gericht der EU…

    Nein, Brüssel darf nicht alles entscheiden, sagt das Oberste Gericht der EU…

    Richterinnen und Richter am Europäischen Gerichtshof in Luxemburg eilt der Ruf voraus, einseitig pro-europäisch zu urteilen und darauf bedacht zu sein, die Kompetenzen der EU laufend auszuweiten. Nun beweist das oberste Richterinnen-Gremium in einem bemerkenswerten Urteil wieder einmal das Gegenteil: Sie setzen dem Einfluss der EU klare Grenzen – und das ausgerechnet in einer Kernkompetenz der EU, dem Wettbewerbsrecht.

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  • Nicht in Europa: «It’s the economy, stupid…»

    Nicht in Europa: «It’s the economy, stupid…»

    Man könnte erwarten, dass bei den Europawahlen die pro-europäischen Kräfte guter Dinge sein könnten.

    • Die Klimapolitik ist vorbildlich
    • Ein Asyl- und Migrationsabkommen ist geschlossen
    • Die Pandemie ist wirtschaftlich fast verdaut
    • Die Arbeitslosigkeit ist so tief wie kaum je zuvor in Europa.

    Trotzdem sollen die euro-skeptischen, rechts-populistischen Parteien zulegen. Verkehrte Welt in der EU.

    Die Arbeitslosenquote im Euroraum ist im April 2024 auf ein Rekordtief gefallen. Sie sank nach Angaben des EU-Statistikamts Eurostat auf 6,4 Prozent, nachdem sie seit Jahresbeginn bei 6,5 Prozent gelegen hatte.

    Meldung der Nachrichtenagentur Reuters

    Tiefe Arbeitslosigkeit in der EU (Eurostat)

    Die Jugendarbeitslosigkeit ist aber immer noch deutlich höher als die ‘normale’ Arbeitslosigkeit.

  • Europawahlen: “Die Regulierung der Künstlichen Intelligenz in der EU kommt zur richtigen Zeit”

    Europawahlen: “Die Regulierung der Künstlichen Intelligenz in der EU kommt zur richtigen Zeit”

    Künstliche Intelligenz durchdringt in vielen Bereichen unseren Alltag; meist ohne, dass wir uns dessen bewusst sind: Beim Einkaufen werten KI-Programme Bewegungsmuster von Kundinnen aus.

    Bei Routine-Gesundheitschecks in der Hausarztpraxis werden Röntgenbilder abgeglichen. Dank populären Anwendungen wie Chat-GPT erstellt uns der Computer anhand von ein paar Stichworten ein massgeschneidertes Geburtstagsgedicht für den Grossvater.

    Um der rasanten Entwicklung der KI-Technologie einen geordneten Rahmen zu geben, hat die EU im Frühjahr das weltweit erste Gesetz verabschiedet für die Anwendung von Künstlicher Intelligenz.

    Einen entscheidenden Anteil an der Ausgestaltung dieses ersten ‘AI-Act’ hatte das Europäische Parlament und der liberale Abgeordnete Dragos Tudorache aus Rumänien.

  • EU zwingt Sie zum Update Ihres iPhone auf iOS17.4

    EU zwingt Sie zum Update Ihres iPhone auf iOS17.4

    Weil am 7. März ein neues EU-Gesetz in Kraft tritt, müssen wir unsere iPhones mit einem neuen Update auf iOS 17.4 Europa-tauglich machen.

    Die EU will mit dem Digital Market Act die Marktmacht der grossen Internet-Konzerne eindämmen. Grosse, dominante Plattformen wie der App-Store von Apple, Whatsapp von Meta o.a. sollen für Konkurrenten geöffnet werden. Die Wettbewerbschancen für mögliche Konkurrenten sollen verbessert werden.

    Anbei ein paar interessante Artikel zum Thema:

    Tagesanzeiger: Apple kommt der EU entgegen – warum nicht auch der Schweiz?

    Heise online: App Store vor der Spaltung – wegen EU-Gesetz DMA

    Financial Times: Will Big Tech agree to play by Europe’s rules?

  • Das EU-Parlament stimmt für eine Lockerung der Gentech-Regeln für Saatgut

    Das EU-Parlament stimmt für eine Lockerung der Gentech-Regeln für Saatgut

    Das EU-Parlament hat

    weniger strengen Regeln zugestimmt für gentechnisch veränderte Lebensmittel. Neue Gentechnik-Verfahren erlauben Züchtungen von Pflanzen, die auch durch herkömmliche Methoden wie Selektion hätten entstehen können. Der Landwirtschaft sollen so rascher Pflanzen zur Verfügung stehen, die widerstandsfähiger sind gegen Schädlinge oder besser mit Klimaveränderungen zurechtkommen.

    Warnende Stimmen aus dem links-grünen politischen Lager im EU-Parlament fanden keine Mehrheit.