Schlagwort: Afrika

  • Die europäische Charme-Offensive gegenüber Afrika kommt etwas spät

    Die europäische Charme-Offensive gegenüber Afrika kommt etwas spät

    Die Länder der Europäischen Union umwerben in Brüssel 40 Staats- und Regierungschefs aus Afrika. Die Euphorie scheint auf Seiten der EU deutlich grösser zu sein als bei den Mitgliedern der Afrikanischen Union.

    Nun konnte es endlich stattfinden, das sechste Treffen zwischen 27 EU-Staats- und Regierungschefs und 40 Regierungsvertreter der Afrikanischen Union. Die Corona-Pandemie verzögerte alles.

    Es soll ein Neuanfang sein. Ein ungewöhnliches Format des zweitägigen Treffens soll das unterstreichen. 

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  • Mit Hunderten Milliarden Euro will die EU ihren Einfluss in der Welt nachhaltig ausbauen

    Mit Hunderten Milliarden Euro will die EU ihren Einfluss in der Welt nachhaltig ausbauen

    Die Initiative der Europäischen Union soll Global Gateway heissen.

    Rund 300 Milliarden Euro will die EU in den kommenden sechs Jahren in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren in nachhaltige Infrastrukturen wie Strassen, Eisenbahnnetze oder Internet-Daten-Netze.

    Hintergrund ist der wachsende Einfluss Chinas in Afrika oder Südasien. Dank Chinas “Neues Seidenstrassen-Programm” wurde in den letzten sieben Jahren der Einfluss des strategischen Rivalen von Europa immer deutlicher.

    Die EU will nun -reichlich spät- aufholen und ein Gegengewicht schaffen, vor allem mit der Förderung von Projekten, die den Umwelt- und Klimaschutz stärken.

    Warum lanciert die EU das Programm “Global Gateway”?

    Auf keiner offiziellen Mitteilung der EU wird China erwähnt. Aber es ist kein Geheimnis, dass “Global Gateway” der Versuch der EU ist, ein Gegengewicht zum steigenden Einfluss Chinas überall in der Welt zu schaffen.

    Die EU und viele EU-Mitgliedsländer investieren seit vielen Jahren grosse Summen in Förderprojekte in zahlreichen Ländern in Afrika oder Asien. Diese Investitionen werden aber kaum wahrgenommen als Beitrag Europas. Das möchte die EU nun ändern.

    “Tue Gutes und sprich (viel lauter) darüber” das ist die neue Losung.

    Mit dem Programm will die EU auch unterstreichen, dass sie als Machtfaktor im globalen Wettstreit der Grossmächte wahrgenommen werden möchte.

    Gleich wie China, oder die USA, will auch die EU ihren Einfluss auf die Weltpolitik ausbauen.

    Wohin fliessen die Milliarden-Investitionen der EU?

    Kredite der EU, der Europäischen Investitionsbank, gekoppelt an private Gelder sollen in erster Linie in nachhaltige Projekte fliessen. Das soll zum Markenzeichen der EU werden, dass diese einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leistet.

    Im Vordergrund stehen darum Investitionen in nachhaltigen Transportsysteme, primär in den Ausbau von Schienennetzen.

    Denkbar sind auch Investitionen in den Ausbau von Alternativen Energiequellen (Solar-, Wind-, Wasserkraft) und die Förderung einer klima-neutralen Produktion von Wasserstoff.

    Auch der Ausbau von Datennetzen soll gefördert werden, also von Glasfaser- und Mobilfunknetzen für schnelle Internetverbindungen. Weiterer möglicher Fokus: die umweltverträgliche Förderung von Rohstoffen.

    Warum ist die Initiative der Europäischen Union bereits umstritten?

    Grundsätzlich sind sich zwar alle einig, dass es eine solche europäische Investitionsoffensive braucht mit globalen Ambitionen.

    Im Detail gibt es aber viel Kritik, schon jetzt.

    Das Programm sei zu klein, also mit zu wenig Geld hinterlegt, kritisieren zum Beispiel Abgeordnete im EU-Parlament. Sie kritisieren zum Teil auch, dass es zu Doppelspurigkeiten kommen wird, da ja einzelne EU-Ländern weiterhin direkt selber mit Investitionen in bestimmten Regionen Einfluss nehmen wollen.

    Das Programm führe daher kaum zu mehr (positiver) Wahrnehmung der EU. Es fehlten klare Prioritäten.

    Auch andere Sachverständige relativieren die Wirkung des Programms. Sie verweisen darauf, dass China zum Beispiel in Afrika in absoluten Zahlen weniger investiere als die EU, aber deutlich mehr staatliche Dienstleistungen exportiere. China stellt etwa günstige Kredite für den Bau einer Eisenbahnlinie zur Verfügung, gekoppelt an die Verpflichtung, dass chinesische Baufirmen die Arbeiten ausführen. China gewinnt doppelt.

    Der Ansatz der EU, Investitionen zu fördern, aber private Auftragnehmer die Projekte realisieren zu lassen, sei zu naiv. Es fehlten Garantien, dass europäische Unternehmen davon profitierten. Das mahnen die Wirtschaftsverbände an. Sie verlangen -analog zum Ansatz von China- Garantieren für Gegengeschäfte von jenen Ländern, die von EU-Investitionen profitieren.

    Kritik gibt es auch ganz simpel am Namen. “Global Gateway” sei falsch, sagt Business Europe, der Dachverband der Arbeitgeber. Dieses Label sei nicht ausreichend attraktiv, um damit Werbung machen zu können.

  • Fünf Métisse-Frauen klagen gegen den belgischen Staat wegen Verbrechen gegen Menschlichkeit

    Ein belgisches Gericht muss geschehenes Unrecht bewerten, das der belgische Staat unzähligen Kindern während der Kolonialzeit in Rwanda, Burundi und Kongo zuführte.

    Ihr Schicksal war, dass sie Kinder von einem weissen Mann und einer meist jugendlichen schwarzen Frau waren. In der Kolonialzeit wurden sie darum systematisch weggesperrt und all ihrer Rechte beraubt.

    Nun klagen fünf solche Métisse-Frauen gegen den belgischen Staat wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und fordern Entschädigung.

    Aus, Echo der Zeit, SRF, 21. Oktober 2021

    Am 8. Dezember 2021 urteilte das Gericht gegen die Klägerinnen. Trotz der diskriminierenden und rassistisch motivierten Zwangsplatzierungen, könne dieses moralische Verbrechen nicht als Verbrechen gegen die Menschlichkeit beurteilt werden.

    In der für das Gericht relevanten Zeitspanne vor 1961 habe dieser Straftatbestand noch nicht bestanden.

    Die Anwälte der Klägerinnen erwägen den Weiterzug des Verfahrens an ein höheres Gericht.

    Ergänzung vom 8.12.21

  • Rückgabe von Raubkunst im Afrikamuseum: Belgien sucht den Weg aus einem Dilemma

    Rückgabe von Raubkunst im Afrikamuseum: Belgien sucht den Weg aus einem Dilemma

    Ein Grossteil der afrikanischen Kultur ist in europäischen Museen ausgestellt.

    Viele Gegenstände stammen aus der Kolonialzeit und wurden den afrikanischen Staaten nach deren Unabhängigkeit nicht zurückgegeben. Länder wie Frankreich oder Deutschland haben in jüngster Zeit begonnen, einzelne Wertgegenstände den betroffenen Ländern zurückzugeben.

    Nicht so Belgien, weil solche Wertobjekte Teil des unverkäuflichen Staatsbesitzes sind.

    Die belgische Regierung hat nun aber einen Weg gefunden, Kunstobjekte aus der Kolonialzeit an Kongo zurückgegeben.

    Dieser Weg könnte Schule machen, weil er ein Dilemma löst.

    Quelle: Sendung Rendez vous, SRF, Oktober 2021
  • Geschichte Belgiens und Kongos: “Table Ronde” de Bruxelles von Grand Kallé

    Das Lied der Unabhängigkeit des Konkos von Belgien am 30. Juni 1960.

    Grand Kallé besingt die Unabhängigkeit des Kongos, 1960

    Quellenhinweis: Vergleiche: “Trois Africains et L’Europa” (Senghor, Cabral, Lumumba) von Pap Ndiaye. In: Europa, Notre Histoire von Etienne François, 2017.

  • Brexit: Im Auge von Uzoamaka Madu, Afrika-Expertin

    Brexit: Im Auge von Uzoamaka Madu, Afrika-Expertin

    Ende Januar 2020 endet die Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union.

    Das künftige Verhältnis der beiden ist noch weitgehend unbekannt.

    Klar ist aber, dass die EU und Grossbritannien im globalen Aussenhandel direkte Konkurrenten sein werden.

    Das gilt insbesondere für Afrika. Zum Vorteil von wem?

    Uzoamaka Madu, Afrika-Expertin aus Bruxelles, mit britischen Wurzeln, begleitet zur Zeit im Auftrag der UNO den Aufbau der afrikanischen Freihandelszone, welche dereinst 54 Länder umfassen wird.

    Aus dieser Perspektive eröffnet der Brexit für Afrika durchaus willkommene Chancen.

    Quelle: SRF, Sendung Echo der Zeit vom 28. Janaur 2020

    Informationen zu Uzoamaka Madu: What’s in it for Afrika