Schlagwort: Mode

  • «Black Friday, Cyber Monday»: Viele leere Versprechen, sagt die EU.

    «Black Friday, Cyber Monday»: Viele leere Versprechen, sagt die EU.

    Ein Drittel der Rabattversprechen sind trügerisch,

    23 europäische Aufsichtsbehörden haben im letzten Herbst eine koordinierte Untersuchung der Geschäftspraktiken von E-Shops rund um den «Black-Friday» und «Cyber-Monday» durchgeführt.

    Bei solchen Rabatt-Aktionen versprechen Online-Händler besonders günstige Angebote. Meist sind das aber irreführende Versprechen, zeigt eine neue Untersuchung in der Europäischen Union.

    In sogenannten «Sweeps» führen nationale Aufsichtsbehörden unter der Koordination der EU-Kommission gemeinsame Kontrollen durch, um die EU-Konsumentenschutz-Gesetze durchzusetzen. Bei der jüngsten Untersuchung von 314 E-Shops nahmen folgende Länder teil: Dänemark, Estland, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Portugal, Rumänien, Slowenien, Spanien, Schweden, Island, Norwegen.

    Die Ergebnisse der koordinierten Untersuchungsaktion zeigen, wie Konsumentinnen und Konsumenten systematisch getäuscht werden:

    • 94 % der Online-Händler warben während der Black-Friday-Verkaufsaktion mit Rabatten.
    • Mindestens 30 % der Händler hielten sich nicht an die EU-Vorschriften zu Preisnachlässen, während in 30 % der Fälle weitere Informationen erforderlich waren. Nur 40 % der Händler hielten sich vollständig an die EU-Vorschriften zu Preisnachlässen.
    • 34 % der Händler verwendeten Preisvergleiche, doch die meisten von ihnen (6 von 10) erklärten den verwendeten Referenzpreis nicht eindeutig. Nach dem EU-Verbraucherrecht müssen Preisvergleiche klar und nicht irreführend sein und dürfen nicht als Rabatt dargestellt werden.
    • 18 % der Händler wandten Druckverkaufstechniken an, wie
      zum Beispiel Knappheitsargumente oder Countdown-Timer, und mehr als die Hälfte dieser Fälle wirkte irreführend.
    • 10 % der Händler nutzten «Drip Pricing», eine irreführende Verkaufstechnik, bei der der Gesamtpreis zu Beginn des Kaufprozesses nicht angegeben wird und zusätzliche obligatorische und unvermeidbare Kosten, wie z. B. Servicegebühren, erst später im Verlauf des Prozesses offengelegt werden.

    Unlautere Täuschungen rund um die Rabatt-Tage sind also die Regel.

    Die zuständigen Stellen in den EU-Staaten können nun Strafverfahren gegen die betroffenen Unternehmen eröffnen.

  • Textil-Recycling: Zwei Mode-Pioniere zeigen, wie es besser gelingt

    Textil-Recycling: Zwei Mode-Pioniere zeigen, wie es besser gelingt

    Seit einem Jahr ist es in der EU verboten, Textilien einfach im Hausmüll zu entsorgen. Doch die Realität sieht ernüchternd aus: Erst 15 Prozent der Altkleider werden in Europa eingesammelt. Die Flut an meist chinesischer Billigmode aus Ultra-Fast-Fashion überflutet den Markt, macht Recycling oft unwirtschaftlich und überlastet die Systeme.

    Die meisten Kleider bestehen aus Polyester oder Mischgeweben, die sich kaum hochwertig wiederverwerten lassen. Gleichzeitig sinken die Preise für Alttextilien, weil das Angebot die Nachfrage bei Weitem übersteigt. Doch es gibt Hoffnung: Zwei innovative Ansätze aus Belgien und Frankreich beweisen, dass nachhaltige Mode und effizientes Recycling möglich sind – wenn man das Problem an der Wurzel packt.

    Loom: Mode, die länger hält und nie Werbung macht

    In Paris setzt das Label Loom auf ein radikales Konzept: Kleider sollen nicht nur nachhaltig produziert, sondern auch so lange wie möglich getragen werden. Statt saisonaler Kollektionen gibt es „Generationen“ – kontinuierlich verbesserte Basics aus Bio-Baumwolle, die nicht aus der Mode kommen. Kundinnen erhalten nach dem Kauf gezielte Rückfragen, wie sich die Qualität verbessern lässt. „Wir wollen, dass unsere Kunden weniger, aber bewusster kaufen“, sagt Gründerin Julia Faure. Loom verzichtet auf Werbung und Rabattschlachten, produziert lokal in Frankreich und. Das Ziel: Ein Kleiderschrank, der nur das Nötigste enthält – und zwar in bester Qualität. Faure ist überzeugt: „Recycling darf nur eine Notlösung sein. Viel wichtiger ist es, von vornherein weniger und besser zu produzieren.“

    Resortecs: Ein schlauer Faden für die Kreislaufwirtschaft

    Während Loom die Überproduktion bekämpft, löst das belgische Start-up Resortecs ein zentrales technisches Problem: Wie lassen sich Kleider effizient in ihre Einzelteile zerlegen? Die Antwort heisst „Smart-Stitch“, ein spezieller Faden, der sich unter Hitze auflöst. Innerhalb von zehn Minuten trennt eine Maschine Jeans in Stoff, Knöpfe, Reissverschlüsse und Nieten – alles sortenrein und wiederverwertbar. Besonders wertvolle Materialien wie Cashmir oder Schutztextilien für Feuerwehrleute lassen sich so gezielt zurückgewinnen. „Kleine Änderungen im Design können grosse Wirkung entfalten“, erklärt Gründer Cédric Vanhoek. Seine Technologie macht Recycling nicht nur möglich, sondern auch wirtschaftlich attraktiv.

    Beide Beispiele zeigen: Echte Kreislaufwirtschaft gelingt nur, wenn Produktion, Design und Konsum neu gedacht werden. Loom beweist, dass Mode-Haus auch ohne Kaufzwang rentabel sein kann, Resortecs, dass Recycling nicht immer nur minderwertiges Downcycling sein muss.

    Vielleicht liegt die Lösung ja nicht im Entsorgen, sondern im bewussteren Umgang mit dem, was wir bereits besitzen.

  • Ultra-Fast-Fashion aus China hebelt die Altkleider-sammlung in der EU aus

    Ultra-Fast-Fashion aus China hebelt die Altkleider-sammlung in der EU aus

    Wir haben das Gefühl, Gutes zu tun, wenn wir unsere alten Kleider, Turnschuhe oder Bettwäsche in einen Altkleider-Container werfen. Das ist eine Täuschung.

    16 Kilogramm Textilien entsorgen wir jedes Jahr, Tendenz steigend. In der Europäischen Union besteht seit einem Jahr die Pflicht, diese zu sammeln. Kleider dürfen nicht mehr im Abfall entsorgt werden.

    Das Gesetz verfehlt allerdings seine Ziele noch bei Weitem: Europaweit beträgt die Sammelquote von Textilien erst 15 Prozent. Europameister im Kleidersammeln sind die Niederlande: Sammelquote 50 Prozent.

    Das sei eine gute Sache, aber eben erst die Hälfte, sagt Johan Jongkind vom gemeinnützigen Unternehmen «Sympany», welches einen Grossteil der Alt-Textilien einsammelt. Das Problem: Bereits heute stürzen in den Niederlanden die Preise, welche Recycling-Unternehmen für Altkleider bezahlen wollen, in den Keller.

    «In den letzten zwei, drei Jahren sind die Preise um 60 Prozent gesunken», erklärt Johann Jongkind. Das gefährdet das Geschäftsmodell von «Sympany». Die Einnahmen aus der Kleidersammlung finanzieren nämlich soziale Projekte im ganzen Land. Alles kommt nun in Schieflage.

    Zwar müssen Textil-Produzenten sich an den Entsorgungskosten beteiligen. Die Pflichtabgabe ist aber zu tief angesetzt.

    «Sympany» ist nun daran, den ganzen Prozess zu automatisieren. Bereits heute sortiert das Unternehmen in den Niederlanden die Textilien nur noch grob und schickt die gepressten Kleiderballen nach Ost-Europa, in die Türkei oder in den Maghreb für die Feinsortierung.

    «Wir müssen unsere Kosten um 80 Prozent senken, um konkurrenzfähig zu bleiben», rechnet Jongkind vor.

    Möglicherweise wir die Rechnung aber nie aufgehen. Denn täglich nimmt die Menge von importierten Billigkleidern aus China zu. Das zeigt sich am Frachtflughafen im belgischen Lüttich, der sich auf E-Commerce spezialisiert hat. Die chinesischen Modeanbieter Shein und Temu gehören zu den grössten Kunden des Flughafens.

    Chinesische Versandhäuser zählen zu den grössten Kunden des Flughafens.

    1.3 Milliarden Tonnen Pakete, meist direkt für private Kundinnen und Kunden, musste der Frachtflughafen verarbeiten. Das sind 15 Prozent mehr als vor einem Jahr. Diese gigantische Flut von Ultra-Fast-Fashion, fast ausschliesslich aus China, die in die EU importiert wird, stellt den ganzen Altkleidermarkt auf den Kopf. Die meist synthetischen Billigkleider sind von so schlechter Qualität, dass sie nicht wiederverwertet werden können. Unternehmen wie «Sympany» bleibt meist nicht mehr übrig, als diese in den Abfall zu werfen. Die Kosten müssen sie selbst tragen.

    Derweilen sinken Preise für Altkleider weiter.

  • Europas aussichtsloser Kampf für saubere Mode: Warum Fast-Fashion Textil-Recycling fast unmöglich macht

    Europas aussichtsloser Kampf für saubere Mode: Warum Fast-Fashion Textil-Recycling fast unmöglich macht

    Das Entsorgen alter Textilien in Altkleider-Containern scheint umweltfreundlich, doch die Realität ist ernüchternd: Pro Jahr werden in der EU 16 kg Textilien pro Person entsorgt, doch nur 15 Prozent werden gesammelt – trotz gesetzlicher Sammelpflicht.

    Die Niederlande sind mit einer Sammelquote von 50 Prozent führend, doch selbst dort brechen die Preise für Altkleider um 60 Prozent ein, was soziale Projekte gefährdet, die durch den Verkauf finanziert werden.

    Das Unternehmen «Sympany» versucht, durch Automatisierung die Kosten um 80 Prozent zu senken, doch die Flut an Billigkleidern aus China (v. a. von Shein und Temu) überflutet den Markt.

    Diese minderwertigen, synthetischen Kleidungsstücke sind oft nicht recycelbar und landen im Müll. Die Kosten trägt die Entsorgungsbranche, während die Preise für Alttextilien weiter fallen.

    Der Boom von Ultra-Fast-Fashion untergräbt das Recycling-System und verschärft die Krise. Nur wenn keine Anreize mehr bestehen zur Überproduktion, kann sich etwas verändern.

    International:
    EU-Textil-Recycling unter grossem Druck

    In der EU besteht seit einem Jahr die Pflicht, Altkleider zu sammeln. Die Flut von billigen Textilien aus China macht das Recycling aber unrentabel.Ultra-Fast-Fashion aus China hebelt die Altkleidersammlung in der EU aus