Schlagwort: Parteien

  • Korruption im EU-Parlament: Volle Transparenz ist besser als jedes Gesetz

    Korruption im EU-Parlament: Volle Transparenz ist besser als jedes Gesetz

    Katharina Barley, deutsche Sozialdemokratin, ehemalige Justizministerin und als Vizepräsidentin des EU-Parlamentes auch profilierte Kämpferin gegen Korruption im EU-Parlament, meint, es gebe tatsächlich Abgeordnete, welche die Korruptionsaffäre möglichst rasch vergessen machen wollten. Das greife aber zu kurz.

    Wir müssen feststellen, dass offenbar auch immer mehr Staaten aktiv Korruption betreiben.

    – Katharina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments

    Katharina Barley, Sie kämpften schon als deutsche Justizminister für schärfte Anti-Korruptionsgesetze. Nun steht ihre Partei am Pranger. Wie tief sitzt der Schock?

    Barley: “Das Entsetzen ist enorm gross. Gerade für unsere Partei ist das extrem schlimm. Das sagen mir auch unsere Wählerinnen. Wir standen immer entschieden für mehr Rechtsstaatlichkeit ein, für mehr Demokratie, gegen Korruption. Auch persönlich sind das die Grundsätze meiner politischen Arbeit. Darum trifft uns diese Affäre so stark. Wir sind aber wild entschlossen, alles umzukrempeln. Wir sollen wissen, wie so etwas passieren konnte.”

    Die partei-interne Untersuchung ist aber noch nicht angelaufen…

    Barley: “Wir sind dran. Wir setzen einen unabhängige Ermittlungsausschuss ein. Es ist unser fester Wille, die richtigen Lehren aus dem Korruptionsfall zu ziehen. Wir lassen keinen Stein auf dem anderen.”

    Braucht es schärfere Kontrollen?

    Barley: “Vieles ist verbesserungswürdig. Aber flächendeckende Kontrollen sind nicht möglich und können kriminelle Handlungen letztlich nicht verhindern. Klar, wir müssen mehr Strichproben machen. Wir müssen vor allem aber eine Anti-Korruptionskultur schaffen. Diese kann nur entstehen, wenn wir maximale Transparenz schaffen. Alle Abgeordneten sollen offen deklarieren, wen sie treffen. So können alle Bürgerinnen und Bürger nachvollziehen, wie der Gesetzgebungsprozess abläuft. Es ist ja nicht falsch, Interessensvertreterinnen zu treffen. Aber es muss offengelegt werden.

    Sollte diese Deklarationspflicht künftig auch Interessenvertreter von Drittstaaten einschliessen?

    Barley: “Ja. Wir Abgeordnete treffen ja regelmässig diplomatische Vertreter anderer Länder. Aber wir müssen heute zur Kenntnis nehmen, dass offenbar auch immer mehr Staaten aktiv Korruption betreiben. Um das zu verhindern, müssen wir unsere Transparenz-Bestimmungen anpassen.”

    Echo der Zeit, SRF, 18. Januar 2023
  • Volt-Gründer Damian Boeselager; «Wir brauchen mehr parlamentarische Demokratie in Europa!»

    Volt-Gründer Damian Boeselager; «Wir brauchen mehr parlamentarische Demokratie in Europa!»

    Es weht etwas frischer Wind im Europäischen Parlament.

    Erstmals musste sich die Präsidentin der EU-Kommission in einer Fragestunde einer aktuellen politischen Debatte stellen.

    Der Vorschlag kam von einer Gruppe junger EU-Abgeordneten, die vor zweieinhalb Jahren neu ins EU-Parlament gewählt wurden.

    Der Deutsche Damian Boeselager gehört dazu. Er ist Gründer von Volt, der einzigen Partei im EU-Parlament, die nicht über ein nationales, sondern bloss über ein europäisches Parteiprogramm verfügt.

    Damian Boeselager steht für weitere kleinen politische Erfolge.

    Er war Mitinitiant bei der mit klarer Mehrheit beschlossenen Aufforderung des EU-Parlamentes an alle 27 EU-Staaten, auf alle Energie-Importe aus Russland zu verzichten.

    Boeselager kämpft seit Monaten auch für die nun im Grundsatz beschlossene Wahlrechts-Reform. Dank derer werden bei den nächsten Europawahlen 28 Abgeordnete mit einer Zweitstimme auf europäischen, transnationalen Listen gewählt.

    Quelle: SRF, Echo der Zeit, 7. April 2022

    Der Treffpunkt:

  • Später Bruch der Europäischen Volkspartei mit Ungarns EU-Abgeordneten

    Später Bruch der Europäischen Volkspartei mit Ungarns EU-Abgeordneten

    Sehr spät hat sich die EVP-Fraktion im Europäischen Parlament doch noch durchdringen können, zu entscheiden, ein ewiges Reputations-Risiko los zu werden.

    Die zwölf ungarischen Störenfriede von Orbans Fidesz-Partei in der EVP stören ja nicht erst seit gestern.

    Schon vor zwei Jahren forderten darum die Abgeordneten der EVP-Gruppe aus den nordischen Ländern und aus den Benelux-Staaten den Bruch mit den Gewählten aus Ungarn.

    Erreicht haben sie nur, dass die Mitgliedschaft der Fidesz-Partei in der europäischen Parteien-Familie der EVP seit zwei Jahren suspendiert ist. Mehr nicht.

    Die schützende Hand über Fidesz in der EVP-Gruppe hielten bisher jeweils die deutschen Christdemokraten, die CDU/CSU-Fraktion im Europäischen Parlament. Es ist kein Geheimnis, dass vor allem Angela Merkel diese Linie vorgab.

    Nun ist das Ende von Merkels Amtszeit im Kanzleramt absehbar, und darum scheinen mehr Partei-Mitglieder gewillt, etwas eigenständiger zu entscheiden.
    Die bisherige Einbindungs-Strategie der CDU konnte nicht überzeugten: Die Vertreterinnen und Vertreter der Fidesz-Partei provozierten ungehindert weiter.

    Zuletzt warf der ungarische Abgeordnete Tamas Deutsch dem CSU-Fraktions-Präsidenten Manfred Weber vor, mit Gestapo-Methoden zu politisieren. Das war dann sogar der machtbewussten deutschen Delegation zu viel.

    Der ungarische Regierungschef, Viktor Orban, hat schon vor dem Entscheid der EP-Fraktions-Sitzung klar gemacht, dass bei einer Änderung der Geschäftsordnung von sich aus bestimmen werde, dass seine Abgeordneten im EU-Parlament aus der EVP-Fraktion auszutreten haben.
    So ist es nun geschehen.

    Nur scheinbar eröffnet das der EVP-Fraktion einen einfachen Pfad, Fidesz loszuwerden.

    Es wäre ja auch eine gute Gelegenheit gewesen, mit einem Fraktions-Beschluss unmissverständlich klar zu machen, dass Ungarns Christ-Demokraten nicht die grundlegenden Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit, Demokratie, der Europäischen Volkspartei teilten.

    Das wäre dann diese späte klare Ansage gewesen, die sich viele in der EVP-Fraktion eigentlich schon lange wünschten. Zumal die EVP-Fraktion nichts verlieren würde. Sie bleibt ja die stärkste Kraft im EU-Parlament.

    Nun bleibt eine letzte Gelegenheit für eine klare Ansage: Im Juni soll an einem Parteikongress entschieden werden, Orbans Fidesz definitiv aus der Europäischen Volkspartei auszuschliessen.

  • EU-Agrarpolitik spaltet das Parlament

    EU-Agrarpolitik spaltet das Parlament

    Mehr als ein Drittel des Budgets der Europäischen Union fliesst in die Landwirtschaftspolitik.

    Es geht um einen Budgetposten von 358 Milliarden Euro für die kommenden sieben Jahre, um 58 Mrd. Euro Ausgaben pro Jahr.

    Das EU-Parlament und die Agrarminister stimmen -je unter sich- ihre Prioritäten ab.

    Es zeichnen sich grosse Differenzen ab.

    Linke und Grüne im EU-Parlament wollen endlich mehr Ökologie in den europäischen Boden bringen. Andere wollen das Gegenteil und nach einmal anders sehen das viele nationale Regierungen.

    Sie bevorzugen mehr Flächenbeiträge für noch grössere Betriebe. Ein Zielkonflikt, der bei der Debatte im EU-Parlament deutlich zu hören war.


    Aus SRF, Echo der Zeit, 20.10.2020

  • Brexit: In den Augen von Irina von Wiese, Heimkehrerin

    Brexit: In den Augen von Irina von Wiese, Heimkehrerin

    Der 30. Januar 2020 ist der letzte Arbeitstag der EU-Parlamentarierin.

    die 73 Mitglieder aus dem Vereinigten Königreich scheiden aus dem Europääischen Parlament aus.

    Brexit ist die neue Realität.

    Kein Tag zum Feiern für die meisten britischen Abgeordneten. Auch nicht für Irina von Wiese.

    Quelle: SRF Sendung Heute Morgen vom 30. Janaur 2020
  • Ursula von der Leyen vor der Rede ihres politischen Überlebens

    Ursula von der Leyen vor der Rede ihres politischen Überlebens

    Ursula von der Leyen braucht für die Wahl als EU-Kommissionspräsidentin jede Stimme. Sie muss eine Mehrheit der Mitglieder des Europäischen Parlamentes überzeugen, dass sie von den Staats- und Regierungschefs zurecht als Präsidentin der EU-Kommission nominiert wurde. Keine einfache Sache. Denn alle wissen, dass sie nur zweite Wahl war.

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