Schlagwort: Welthandel

  • Die EU setzt auf Stahl-Protektionismus – die Schweizer muss sich neu ausrichten

    Die EU setzt auf Stahl-Protektionismus – die Schweizer muss sich neu ausrichten

    Die Kontingente für Stahl, die zollfrei in die EU importiert werden können, werden ab Juli dieses Jahres halbiert. Der Zoll auf Einfuhren von Stahl wird in der EU nahezu verdoppelt, auf 50 Prozent.

    Schutz der EU-Stahlindustrie vor billiger Konkurrenz

    Das Europäische Parlament hat schärfere Regeln zum Schutz der EU-Stahlindustrie vor billiger Konkurrenz aus Ländern wie China beschlossen. Eine grosse Mehrheit der Abgeordneten stimmte in Strassburg dafür, dass deutlich weniger Stahl zollfrei in die EU eingeführt werden darf und darüber hinausgehende Importe mit einem höheren Strafzoll als bisher belegt werden. Die Neuregelung war zuvor mit den Mitgliedstaaten ausgehandelt worden, welche nun ihre definitive Zustimmung geben müssen.

    Diese drastischen Schutzmassnahmen für die Stahlproduzenten in der EU erhalten im EU-Parlament eine fast uneingeschränkte Zustimmung; von allen Parteien; aus allen Mitgliedstaaten. Es applaudieren die Wirtschaftsverbände und der europäische Gewerkschaftsbund.

    «Endlich», «höchste Zeit», «vorbei die Zeit der Naivität», «Europa muss seine Industrie schützen». Bei keiner anderen Sache ist im Plenum soviel Übereinstimmung zu hören.

    Unbestritten die Diagnose

    Dies, weil die Diagnose unbestritten ist: China, aber auch Indien oder die Türkei schwemmen den EU-Stahlmarkt mit Billigprodukten zu Dumpingpreisen. Die globalen Überkapazitäten bei der Produktion übersteigen die europäische Nachfrage beim Stahl um das Fünffache. Das kostet Hunderttausende Arbeitsplätze in Europa. Darum das explizite Bekenntnis aller Parteien und Verbände zum wettbewerbsverzerrenden Protektionismus in der EU.

    Erklären lässt sich die Abkehr von der Freihandels-Doktrin in der EU zudem mit den aktuellen geopolitischen Verwerfungen. Die Stahlbranche gilt als strategisch: Für den Bau von kritischer Infrastruktur, für die Rüstungsindustrie oder für die europäische Automobilindustrie.

    Das Vertrauen auf die ordnende Hand des Wettbewerbs war falsch, so der breite Konsens im Parlament.

    An Begehrlichkeiten fehlt es nicht

    Die Schweiz als Nicht-Mitglied der EU und des EWR wird folglich bestraft. Das ist unfair. Das streitet in der EU niemand ab. Mit massgeschneiderten Frei-Kontingenten soll das Schlimmste erträglich gemacht werden, verspricht die EU-Kommission. Der Status quo wird aber nicht zu halten sein.

    Zu denken geben sollte der Schweizer Politik, dass im Europäischen Parlament – wiederum politisch breit abgestützt – ohne Hemmungen gefordert wird, dass der Protektionismus auf weitere Branchen ausgeweitet werden soll: Auf die Rüstungsindustrie, auf die Autoindustrie, Batterien oder Windturbinen. Es fehlen nicht Begehrlichkeiten. Noch mehr Protektionismus ist wahrscheinlich.

    Politik muss Orientierung bieten

    Das sind schlechte Nachrichten für die Schweizer Exportindustrie, die ja vor allem eine Exportindustrie in die EU ist. Bundesrat und Parlament in der Schweiz dürfen die Kehrtwende in der EU mit Recht laut kritisieren. Das ist aber nicht ausreichend. Die eidgenössische Politik muss nun konkrete Lösungswege aufzeigen, wie sich der Schweizer Industriestandort entlang dieser neuen Realitäten zu orientieren hat. Die Musterschülerin zu spielen, die weiter auf globalen Freihandel pocht, hilft wenig.

    Innenpolitisch gilt es zu klären, wie die Schweiz der EU entgegenkommen kann. Die im Freihandelsabkommen fehlende Streitschlichtung hat negative Folgen für die Schweizer Stahlindustrie. Was der Schweiz fehlt, sind verbindliche Mechanismen des Interessensausgleiches mit der EU. Das spricht für das Modell eines Schiedsgerichts, wie es im neuen bilateralen Vertragspaket vorgesehen ist. Der Protektionismus der EU im Stahlsektor könnte die Vorteile für die Schweiz nicht besser illustrieren.

  • Freihandel mit Südamerika soll in der EU doch noch Realität werden

    Freihandel mit Südamerika soll in der EU doch noch Realität werden

    Die EU sucht Wege, wirtschaftlich vom Rivalen China unabhängiger zu werden. Die Lieferketten der europäischen Industrie sollen daher breiter, globaler abgestützt werden. Eine zentrale Rolle kommt dabei Südamerika zu.

    2019 unterzeichnete die EU mit den Mercosur-Staaten ein Freihandelsabkommen. Zu den Mercosur-Staaten zählen Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und Venezuela, denn Mitgliedschaft allerdings suspendiert wurde.

    In Kraft getreten ist es nie – zu gross war die Ablehnung in mehreren EU-Staaten.

    Nun, da Spanien im zweiten Halbjahr die EU-Rats-Präsidentschaft übernimmt, soll in einem zweiten Ablauf die riesige Freihandelszone doch noch geschaffen werden.

  • Mit Hunderten Milliarden Euro will die EU ihren Einfluss in der Welt nachhaltig ausbauen

    Mit Hunderten Milliarden Euro will die EU ihren Einfluss in der Welt nachhaltig ausbauen

    Die Initiative der Europäischen Union soll Global Gateway heissen.

    Rund 300 Milliarden Euro will die EU in den kommenden sechs Jahren in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren in nachhaltige Infrastrukturen wie Strassen, Eisenbahnnetze oder Internet-Daten-Netze.

    Hintergrund ist der wachsende Einfluss Chinas in Afrika oder Südasien. Dank Chinas “Neues Seidenstrassen-Programm” wurde in den letzten sieben Jahren der Einfluss des strategischen Rivalen von Europa immer deutlicher.

    Die EU will nun -reichlich spät- aufholen und ein Gegengewicht schaffen, vor allem mit der Förderung von Projekten, die den Umwelt- und Klimaschutz stärken.

    Warum lanciert die EU das Programm “Global Gateway”?

    Auf keiner offiziellen Mitteilung der EU wird China erwähnt. Aber es ist kein Geheimnis, dass “Global Gateway” der Versuch der EU ist, ein Gegengewicht zum steigenden Einfluss Chinas überall in der Welt zu schaffen.

    Die EU und viele EU-Mitgliedsländer investieren seit vielen Jahren grosse Summen in Förderprojekte in zahlreichen Ländern in Afrika oder Asien. Diese Investitionen werden aber kaum wahrgenommen als Beitrag Europas. Das möchte die EU nun ändern.

    “Tue Gutes und sprich (viel lauter) darüber” das ist die neue Losung.

    Mit dem Programm will die EU auch unterstreichen, dass sie als Machtfaktor im globalen Wettstreit der Grossmächte wahrgenommen werden möchte.

    Gleich wie China, oder die USA, will auch die EU ihren Einfluss auf die Weltpolitik ausbauen.

    Wohin fliessen die Milliarden-Investitionen der EU?

    Kredite der EU, der Europäischen Investitionsbank, gekoppelt an private Gelder sollen in erster Linie in nachhaltige Projekte fliessen. Das soll zum Markenzeichen der EU werden, dass diese einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leistet.

    Im Vordergrund stehen darum Investitionen in nachhaltigen Transportsysteme, primär in den Ausbau von Schienennetzen.

    Denkbar sind auch Investitionen in den Ausbau von Alternativen Energiequellen (Solar-, Wind-, Wasserkraft) und die Förderung einer klima-neutralen Produktion von Wasserstoff.

    Auch der Ausbau von Datennetzen soll gefördert werden, also von Glasfaser- und Mobilfunknetzen für schnelle Internetverbindungen. Weiterer möglicher Fokus: die umweltverträgliche Förderung von Rohstoffen.

    Warum ist die Initiative der Europäischen Union bereits umstritten?

    Grundsätzlich sind sich zwar alle einig, dass es eine solche europäische Investitionsoffensive braucht mit globalen Ambitionen.

    Im Detail gibt es aber viel Kritik, schon jetzt.

    Das Programm sei zu klein, also mit zu wenig Geld hinterlegt, kritisieren zum Beispiel Abgeordnete im EU-Parlament. Sie kritisieren zum Teil auch, dass es zu Doppelspurigkeiten kommen wird, da ja einzelne EU-Ländern weiterhin direkt selber mit Investitionen in bestimmten Regionen Einfluss nehmen wollen.

    Das Programm führe daher kaum zu mehr (positiver) Wahrnehmung der EU. Es fehlten klare Prioritäten.

    Auch andere Sachverständige relativieren die Wirkung des Programms. Sie verweisen darauf, dass China zum Beispiel in Afrika in absoluten Zahlen weniger investiere als die EU, aber deutlich mehr staatliche Dienstleistungen exportiere. China stellt etwa günstige Kredite für den Bau einer Eisenbahnlinie zur Verfügung, gekoppelt an die Verpflichtung, dass chinesische Baufirmen die Arbeiten ausführen. China gewinnt doppelt.

    Der Ansatz der EU, Investitionen zu fördern, aber private Auftragnehmer die Projekte realisieren zu lassen, sei zu naiv. Es fehlten Garantien, dass europäische Unternehmen davon profitierten. Das mahnen die Wirtschaftsverbände an. Sie verlangen -analog zum Ansatz von China- Garantieren für Gegengeschäfte von jenen Ländern, die von EU-Investitionen profitieren.

    Kritik gibt es auch ganz simpel am Namen. “Global Gateway” sei falsch, sagt Business Europe, der Dachverband der Arbeitgeber. Dieses Label sei nicht ausreichend attraktiv, um damit Werbung machen zu können.

  • Einigung bei Investitionsabkommen zwischen EU und China

    Einigung bei Investitionsabkommen zwischen EU und China

    Radio SRF, 30.12.2020, HeuteMorgen

    Das Investitions-Abkommen soll ein neues Gleichgewicht schaffen zwischen den beiden Wirtschaftsmächten.

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