Schlagwort: Schweiz

  • Schweiz-EU: Der Bundesrat setzt auf Geheimniskrämerei

    Schweiz-EU: Der Bundesrat setzt auf Geheimniskrämerei

    Die wichtigsten Moment des Treffens in vier Bildern:

    Nun findet er also statt, der politische Dialog, den sich Bundesrat Cassis mit der EU wünschte. Das nunmehr dritte Treffen mit Maroš Šefčovič in Brüssel soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

    Das wäre jedenfalls der Wunsch der eidgenössischen Kommunikationsverantwortlichen, die sich mit der Reise des Bundesrates zu befassen haben.

    Sonderbar, dass zu jeder Runde von Sondierungsgesprächen zwischen der Schweiz und der EU-Kommission ausufernd von marginalen Fortschritten im gegenseitigen Verständnis berichtet wird, vorgetragen von der entsandten Staatssekretärin.

    Wenn aber ein Bundesrat, federführend in der Pflegte der Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union, anreist, soll das von der Öffentlichkeit möglichst nicht bemerkt werden. Weil es nichts zu sagen gäbe.

    Dieses Nichts sagen gilt es zu interpretieren.

    Natürlich hat jeder Bundesrat das Recht, inkognito nach Brüssel zu reisen und vertrauliche Gespräche mit Vertretern der EU-Kommission zu führen.

    Bundesrat Cassis muss aber nichts geheim halten. Alle wissen, dass die Schweizer Regierung gegenüber der EU auf Zeit spielt, weil sie nichts entscheiden will in Sachen Europa, bis die Parlamentswahlen im Herbst verdaut sind.

    Als ob das relevant wäre. Auch in den Europäischen Institutionen werfen ein paar Interessierte regelmässig einen Blick auf die Schweizer Aktualität. Sie wissen, dass es bei eidgenössischen Wahlen selten zu erdrutschartigen Verschiebungen der politischen Gewichte kommt. Auch 2023 nicht.

    Also gilt es die Kommunikationsverantwortlichen des Schweizer Bundesrates beim Wort zu nehmen. Sie wollen uns sagen, dass es nichts zu berichten gibt über relevante Entwicklung in den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zum wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Partner der Schweiz.

    Das ist bemerkenswert. Weil es auch einen Hinweis gibt, wie der Schweizer Bundesrat die Brüsseler Mechanik versteht.

    In der EU reisen selten Minister nach Brüssel zu politischen Treffen ohne politische Absichten und ohne politische Botschaften. Da macht der Schweizer Bundesrat offenbar gerne eine Ausnahme. Er kündigt das sogar in einer Mitteilung am Tag vor dem Treffen an, dass nur alter Kaffee serviert würde beim Lunch mit dem Vize-Präsidenten der EU-Kommission.

    Die vom Schweizer Aussenminister offiziell zu überbringende Nachricht ist also, dass die Schweiz auf den Wunsch der EU-Kommission nicht eingehen kann, die Beziehungen zur EU bald auf einen normalen Weg zurückzuführen. Raus aus der Sackgasse.

    Das will der Bundesrat lieber nicht öffentlich sagen. Verständlich.

  • Chefunterhändlerinnen mit der EU: Sie kommen und sie gehen

    Schweizer Spitzendiplomatinnen und Diplomaten, deren Pflichtenheft darin besteht, die Beziehungen zur Europäischen Union auf eine solide Basis zu stellen, wissen bei Dienstantritt, dass dies eine temporäre Zwischenverpflichtung sein wird. 

    Am EU-Dossier beissen sich Schweizer Staatssekretärinnen und deren männliche Vorgänger mit einer bemerkenswerten Konstanz die Zähne aus.

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  • Das erste Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft fand statt. Das zählt, mehr nicht.

    Das erste Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft fand statt. Das zählt, mehr nicht.

    Ein Signal der Solidarität mit der Ukraine und ein Zeichen gegen den Angreifer Russland setzen 44 Länder mit ihrem ersten Treffen der neuen Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag.

    Die Schweiz war durch Bundespräsident Ignazio Cassis vertreten. Wie viele seiner Amtskolleginnen und Kollegen sprach auch er von einer Zeitenwende in Europa.

    Es habe sich gezeigt, dass dieser Begriff alles andere als abgegriffen sei, erklärte Bundespräsident Cassis. Die Länder Europas hätten ein starkes Zeichen gesetzt mit diesem ersten Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft.

    ” Gärtlidenken führt zu keinen Lösungen. Die europäischen Staaten können stark sein, wenn sie gemeinsam Lösungen für den Gesamtkontinent finden.

    Beschlüsse wurden keine gefasst am 1. Gipfeltreffen. Im Vorgrund stand der breite Meinungs-Austausch unter allen europäischen Staats- und Regierungs-Chefs.

    ” Das ist für die CH interessant, darum bin ich nach Prag gekommen”, so Cassis

    Die Mehrheit der teilnehmenden Länder hat sich dafür ausgesprochen, weitere Treffen zu organisieren, also dieser neuen politischen Austausch-Plattform eine Zukunft zu geben.

    Zwei Mal pro Jahr will man zusammenkommen. Moldawien, ein Nicht-EU-Land bietet sich als Gastgeberin an.

  • EU-Kommission fordert mehr Klartext von der Schweiz und bitte schriftlich

    Wie weiter in den Beziehungen der Schweiz zur Europäischen Union?

    In Sondierungsgesprächen lotete Staats-Sekretärin Livia Leu in den letzten Wochen bei der EU-Kommission aus, was der Verhandlungsspielraum sein könnte.

    Offenbar trug das nicht zu viel mehr Klarheit bei. Die EU-Kommission jedenfalls wünscht sich von der Schweiz mehr Verbindlichkeit – in schriftlicher Form.

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  • Mit oder ohne EuGH? Falsche Hoffnung auf das Königreich in der Schweiz

    Die aktuelle Regierung des Vereinigten Königreichs tut sich bekanntlich schwer mit der Umsetzung der internationalen Verträge, welche dieselbe mit der Europäischen Union ausgehandelt, unterschrieben und im Parlament ratifiziert hat.

    Stein des Anstosses ist unter anderem das Nord-Irland-Protokoll. Die aktuelle konservative Regierung von Boris Johnson will neu verhandeln mit der EU und alle Möglichkeiten aus dem Vertragstext streichen, im Fall eines Rechtsstreits, dem Europäischen Gerichtshof die abschliessende Auslegung von EU-Recht zu überlassen.

    Im Austrittsabkommen (nur um dieses geht es; das Handelsabkommen zwischen EU und UK ist ein Freihandelsabkommen ohne Einbezug des EuGH) sieht der Streitschlichtungsmechanismus fest, dass als oberstes Gericht nur der EuGH EU-Recht auslegen kann.

    Unter welchen Voraussetzungen wäre die EU bereit, in dieser Frage UK entgegen zu kommen mit alternativen Prozessen ohne EuGH?

    Ranghohe EU-Diplomaten sagen, dass die EU in dieser Frage nie wird nachgeben können. Die Begründung ist interessant, insbesondere für Schweizer Ohren.

    Sie verweisen auf die Grundstruktur des Austrittsvertrags. In diesem sind lange Listen von Verweisen auf geltende EU-Gesetze enthalten, die rechtsverbindlich sind im Zusammenhang mit dem internationalen Vertrag.

    Vereinfacht gesagt: Damit das Vertragswerk nicht endlos wird und nicht alle betroffenen EU-Gesetze in einem Anhang beigelegt werden müssen, werden nur die Referenzen darin aufgenommen.

    Wenn es also darum geht, diesen internationalen Vertrag rechtliche verbindlich zu beurteilen, gilt es ja auch EU-Gesetze im Zusammenhang mit diesem Vertrag und deren Anwendung rechtlich abschliessend zu würdigen. Und das geht nur durch den EuGH.

    Artikel 174

    Streitigkeiten im Zusammenhang mit Unionsrecht

    (1)   Wird in einer zur Schlichtung nach diesem Titel vorgelegten Streitigkeit eine Frage zur Auslegung eines Begriffs des Unionsrechts, eine Frage zur Auslegung einer in diesem Abkommen genannten Bestimmung des Unionsrechts oder eine Frage dazu gestellt, ob das Vereinigte Königreich seinen Verpflichtungen nach Artikel 89 Absatz 2 nachgekommen ist, entscheidet das Schiedspanel diese Frage nicht. In diesem Fall ist es verpflichtet, die Frage dem Gerichtshof der Europäischen Union zur Entscheidung vorzulegen. Der Gerichtshof der Europäischen Union hat die Zuständigkeit, eine Entscheidung zu erlassen, die für das Schiedspanel bindend ist.

    Das Schiedspanel stellt das in Absatz 1 genannte Ersuchen, nachdem es die Parteien angehört hat.

    ABKOMMEN über den Austritt des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union und der Europäischen Atomgemeinschaft (2019/C 384 I/01)

    Wenn dem nicht so wäre, würde die europäische Rechtsordnung unterwandert, was einige Staaten zwar gerne sehen würden , zum Beispiel Polen oder Ungarn oder einige deutsche Verfassungsrichterinnen. Aus Sicht der EU-Kommission als Hüterin der Verträge ist das aber undenkbar.

    Darum sollten sich auch Schweizer Politikerinnen keine Hoffnung machen, dass bei einem Streitschlichtungsmechanismus für die bilateralen Abkommen der Schweiz mit der EU, der EuGH aussen vor bleiben könnte. Die Grundstruktur einiger bilateraler Verträge ist mit dem Austrittsvertrag von UK vergleichbar. Auch diese enthalten direkte Referenzen auf geltendes EU-Recht.

    Will die Schweiz das verhindern, dann muss sie dem EWR beitreten… Auch das EWR Gericht (der EFTA Gerichtshof) muss die EuGH Rechtsprechung in seinen Urteilen berücksichtigen. Aber fremde Richter gäbe es nicht, weil die Schweiz auch eine Vertreterin in den EFTA-Gerichtshof entsendet.

  • Der clevere Vorschlag aus dem CH Parlament: Kohäsionsgelder verdoppeln und EU unter Druck setzen

    Der clevere Vorschlag aus dem CH Parlament: Kohäsionsgelder verdoppeln und EU unter Druck setzen

    Beim erstmaligen Treffen von Bundesrat Ignazio Cassis beim Vizepräsidenten der EU-Kommission Maros Sefcovic lief es ab wie immer.

    Der Schweizer Bundesrat kam zum Plaudern. Der EU-Kommissar übergibt seinem Kollegen eine To-Do-Liste.

    Nun möchte eine klare Mehrheit der Aussenpolitische Kommission des Nationalrats die Kohäsionszahlungen der Schweiz (1 Mrd Euro) an die EU verdoppeln.

    Der Vorschlag der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates ist politisch kühn und taktisch clever.

    Die Kohäsionsgelder zu verdoppeln bedeutet, dass die Schweiz eine Forderung der EU-Kommission erfüllen würde, nämlich mehr zu zahlen für den privilegierten Zugang zum europäischen Binnenmarkt.

    Gleichzeitig gewinnt die Schweiz Zeit. Sie kann mit der EU später eine Einigung suchen, ob Zahlungen regelmässig zu leisten wären.

    Taktisch clever ist er, weil er die EU-Kommission in Zugzwang bringt.

    Sie müsste gegenüber den EU-Mitgliedsländern begründen, warum sie unter diesen Voraussetzungen immer noch Forscherinnen in der Schweiz aussperren muss aus der Forschungs-Kooperation. 

    Das löst nicht alle Probleme, aber ein erstes Grosses.